14.11.2013

psst.

ich bin umgezogen.

09.09.2013

ein offener brief.

[TW galore: in diesem text geht es um antifeminismus und ich verstehe jede/n, der/die nichts (mehr) mit dem thema zu tun haben will. dann am besten einfach ignorieren. für die, die es sich (noch) antun mögen: hinter den links verstecken sich in den meisten aller fällen aussagen von antifeminsten und/oder sexisten zu genau den gelinkten stichwörtern. vorsicht ist also geboten.]

liebe antifeministinnen,

in den letzten monaten habe ich viel zeit damit verbracht, mich mit euch, euren aussagen, gedankengängen, überzeugungen, behauptungen und beleidigungen auf twitter zu befassen. teils geschah das freiwillig - warum weiß ich gar nicht so genau. neugierde? schaulustigkeit? ein letztes fünkchen hoffnung in die menschheit (und euch)? ich kann es nicht so genau benennen. teilweise geschah es aber auch ohne mein zutun. weil ich aufgrund von tweets unter bestimmten hashtags schrieb. oder ich gerade auf dem kieker war. mittlerweile hat sich das etwas abgekühlt und ich konnte abstand gewinnen. das habe ich bewusst getan, um wieder atmen zu können. meinen blutdruck wieder unter kontrolle zu bringen. und nachdenken zu können. in der zwischenzeit habe ich einige erkenntnisse zu dem erlangt, was ich da mit euch erlebt habe. und ich hatte das bedürfnis, diese in worte zu fassen. loszuwerden. warum ich diese gedanken an euch richte und nicht an die restliche welt? vielleicht, weil das bereits genannte fünkchen hoffnung immer noch existiert und ich hoffe, dass irgendwas davon doch hängen bleibt und zu denken gibt. dass ihr euch noch mal überlegt, was ist da eigentlich anrichtet. (und auch , weil ich niemanden anders mehr mit eurem gedankengut belästigen möchte)

hier einige der punkte, die mir während der auseinandersetzung mit euch klar geworden sind:

1. all eure argumente, all eure behauptungen, all eure aussagen, beruhen ausschließlich auf einer reaktion auf den feminismus. sie sind keine reaktion auf die gesellschaft als solche. ihr beschwert euch nicht darüber, dass männer "unterdrückt" werden, weil ihr glaubt, dass es im allgemeinen so ist - sondern weil ihr vom feminismus gehört und anscheinend angst davor habt, dass dieser euch unterdrücken wolle. könne. was nicht der fall ist. eure behauptungen, feminismus fordere eine welt, in der allein frauen/feministinnen die macht über die dinge der welt in der hand halten, sind vollkommen unhaltbar. ich würde sagen: paranoia.

2. aufgrunddessen, dass euer vorgehen eine plumpe REaktion ist, wird deutlich: ihr werdet nicht selbst aktiv. selbst wenn eure anliegen rühmlich sein könnten (abschaffen von beschneidung, mehr rechte für väter, männerhäuser, etc.), konnte ich nie tatsächliche aktionen dafür entdecken. im gegenteil. es handelt sich stets um gegenwehr. und gegen wen eigentlich? gegen feministinnen, die tatsächlich aktiv werden. kampagnen starten. vorträge halten. petitionen eröffnen. demos veranstalten. aufklären. projekte durchführen. bücher veröffentlichen. alles für den guten zweck - der gleichberechtigung von menschen. was genau nehmt ihr in angriff? ich sehe blogs, von denen die meisten einträge auch nur re-aktiv sind. ich sehe troll-versuche von hashtags, lächerlich machen und beleidigen von opfern. spammen von usern. drohungen gegen frauen und ihre allies. ihr seid schlicht destruktiv, statt tatsächlich selbst etwas zu schaffen. aber nach meiner vermutung ist es ja sowieso genau das: ihr wollt nichts ändern. ihr habt angst vor der veränderung. ihr wollt, dass alles so bleibt, wie es ist und dafür werdet ihr alles in eurer macht stehende tun. und wenn ihr dafür brutal werden müsst.

3. die forderungen eurer seite bestehen immer wieder darin, dass der feminismus doch dieses und jenes problem von männern auch mal betrachten solle. dazu sage ich nur eins: thema verfehlt - setzen, sechs. der feminismus beschäftigt sich mit so vielen aspekten, die das zusammenleben ALLER geschlechter viel einfacher, angenehmer und schöner machen würde. aber man kann eben nicht ständig nur fordern, dass andere tun, sehen, handeln. manchmal muss man auch selber aktiv werden. 

4. ihr habt (zu) viele gutgemeinte ratschläge für feministinnen, wie sie es besser machen könnten, mehr aufmerksamkeit, besseres verständnis erzeugen könnten. das problem ist nur: ihr SEID keine feministinnen. deshalb entscheidet ihr nicht, wie feminismus ist und/oder zu sein hat und feministinnen sind euch keine rechenschaft für ihre taten schuldig. sorry, dudes.

4. aber es ist ja nicht nur so, dass ihr nichts tut - nein, ihr wirkt auch noch abschreckend auf diejenigen, die tatsächlich für die rechte von männern (die ihr ja angeblich fordert) kämpfen und einstehen. so verlinkt ihr auf blogs, tätigt aussagen und seid teil dessen, von dem sich beispielsweise das bundesforum für männer ganz klar distanziert. na glückwunsch!

5. ihr behauptet oft, selbst fan "selbstbewusster frauen" zu sein. dafür, dass frauen gleiche rechte bekommen. frauen sicht nicht mehr als "opfer inszenieren". denn eigentlich seid ihr ja selbst (fast?) feministinnen (gewesen)! oder so. aber gleichzeitig findet man unter euren reihen immer wieder sexistische witze, unterstellungen, schwere beleidigungen, abwertende bemerkungen, unerwünschte kommentare, drohungen, marginalisierung von ängsten und sexueller gewalt und andere formen von frauenhass. wie genau passt das denn dann zusammen? (rhetorische frage - danke, aber ich weiß schon bescheid.)

6. die meisten von euch sind genau so lange patriachats-leugner, bis jemand euch auf die idee bringt, dass das konzept davon für männer ja eigentlich noch viel schlimmer sein könnte, als für frauen. und dann nutzt ihr genau diese idee. dass aber ein system, in dem der mann als starker, rationaler und gleichzeitig unkontrollierbarer brotgeber und die frau als emotionales heimchen mit mutterkomplex und schuhtick eigentlich keinem menschen zu gute kommt außer dem kapitalismus, wird konsequent ignoriert. also: ja, männer sind klare opfer des patriachats. aber ganz sicher nicht die größeren.

7. tatsächliche, gegenwärtige probleme von frauen in deutschland und der ganzen welt sind für euch entweder nicht existent und/oder ausgedacht, übertrieben oder aber schlichtweg: selbst schuld. das ist nicht nur beleidigend, ignorant, respektlos und frauenfeindlich, sondern zudem auch einfach falsch. aber wissenschaftliche studien und/oder persönliche erfahrungen und zeugenberichte sind für euch sowieso nur relevant, wenn sie vorher ordentlich in eure passform gebracht wurden.

8. ihr möchtet so gerne glauben, dass feministinnen (männer)hassende faschistinnen/"feminazis" sind, die männer pauschal beschuldigen, dass ihr manchmal kaum noch merkt, was ihr da eigentlich mit aussagt. mal ganz abgesehen von der faschismus-relativierung (die völlig hanebüchen ist - ernsthaft?! was zur hölle und woher kommt der scheiß überhaupt?!), findet ihr die beweise für männerhass in einzelnen aussagen von gewissen menschen, die vielleicht tatsächlich (aufgrund von erfahrungen?) männern gegenüber nicht positiv eingestellt sind und waren. im gegenzug dazu werden allerdings täglich, stündlich, minütlich - aussagen auf dieser welt gesagt, geschrieben (in werbung, politik, foren, überall! ich schließe euch da nicht aus.) die eine systematische kleinhaltung, erniedrigung, demütigung und terrorisierung von frauen beweisen. frauen auf der ganzen welt werden aber schließlich nicht nur opfer von aussagen, sondern vor allem auch von taten epidemischen ausmaßes. und diese werden in den meisten aller fälle von männern begangen. wen (außer euch selbst) wollt ihr eigentlich verarschen?

(mal ganz davon abgesehen, dass es feministinnen sind, die männern eben mehr zutrauen. einfach mehr von ihnen fordern als die erfüllung jahrhunderte-alter klischees. im gegensatz zu euresgleichen.)

9. dass ihr den systematischen kampf gegen frauen nicht nur entweder ignoriert oder toleriert, sondern auch selber teil davon seid, beweist ihr zu guter letzt mit der übernahme von kampagnen wie #aufschrei. einen hashtag, unter dem frauen von alltäglichem sexismus, belästigungen und grenzüberschreitungen berichten, zu unterwandern und im endeffekt übernehmen (zu wollen) - ihn systematisch zu trollen und zu spammen - das ist raumübernahme, kleinhalte-taktik, marginalisierung und terror in reinform. und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, gab es dann auch noch vertreter eurer spezies, die berichte von sexismus hinterfragten, opfer der lüge bezichtigten, anpöbelten, lächerlich machten, behelligten und sich aufdrängten. was das ist? in meinen augen ein klarer beweis dafür, dass feminismus wichtig ist. ein noch klarerer beweis dafür, dass ihr zu einer karikatur eurer selbst werdet. und dass euer verhalten einfach nur widerlich ist. es ist der letzte beweis, den man braucht, um zu sehen, dass ihr keineswegs die von euch selbst ernannten "humanisten" seid.

10. wer neben semixmus auch noch homophobie und rassismus in seinen reihen zulässt, sollte seinen umgang vielleicht eh einmal ganz grundsätzlich überdenken.

vielleicht lasst ihr euch das ja alles noch einmal in ruhe durch den kopf gehen und überlegt euch selbst, ob das alles so wirklich sinn macht. mich würd's freuen.

viele grüße,
anika

11.04.2013

versagen.

dann klingelt plötzlich spät das telefon und das ist schon nicht normal. kurz aufschrecken, kurz sorgen machen und dann denken "ist sicher nur". dran gehen - hörer abnehmen, kaltes plastik an warmem ohr. "ja, hallo?". und schon ihren ersten, schüchternen satz "entschuldige, dass ich so spät noch.." schnell unterbrechen - "kein problem". ein paar sätze, keine guten. schlechte nachrichten - als wenn diese leeren worte überhaupt noch den wahren sinn erfassen könnten. schwächelnde stimme, gestotterte sätze. "mein papa stirbt" als einzig erinnertes zitat. brandzeichen auf hirnwindungen. und plötzlich sind alle worte dieser welt - jedes einzeln mühsam über 27 jahre erlernte - so unfassbar bedeutungslos. nicht mal mehr ausreichend. nein, ungenügend. minderwertig. wertlos. doch noch weitersuchen, stottern, stolpern, seufzen - aufgeben. und dann einfach nur der stille platz geben. selbst über kilometer getrennt das viel gelobte "da sein" üben. zuhören. leises und lautes schluchzen ertragen. nachfragen, aber nicht zu forsch. die eigenen tränen zurückhalten, aber nicht lange. viel schweigen überdauern. aushalten. weil man doch sonst auf alles eine antwort hat. rat. tat. zwecklos. momente ohne gebrauchsanweisung.

29.03.2013

i don't like what i see.

dass mich diese dinge einfach noch nicht losgelassen haben, auch wenn es mittlerweile jahre her ist. das merke ich vor allem dann, wenn ich fast nicht mehr ich selbst bin. wenn ich mich von außen betrachte und denke "was tust du da eigentlich?". wenn da plötzlich bilder in meinem kopf sind, die ich bei vollem bewusstsein nicht konstruieren könnte. wollte. kontrollverlust - binnen sekunden. wut, hass, ärger, trauer, hilflosigkeit und vor allem angst. vor dem verlust. und der wiederholung. realitätsverlust als zwischengegner. und sie blut und tränen schwitzend immer wieder besiegen. und dann doch wieder runterkommen. wirklichkeit wieder finden. den boden unter den füßen spüren. with a little help from my friends. and you. es geht ja. aber es dauert. ich brauche geduld - und die mit mir selbst ist so rar gesäht. und ich will doch endlich wieder vertrauen. so richtig, mit allem und scharf. aber vermutlich ist die wirkliche erkenntnis dabei: das vertrauen in mich selbst muss vor allem wieder wachsen. erwachsen. um genug davon zu haben und es anderen anbieten zu können. und vielleicht ist das auch das größte problem - wieder auf mich selbst zurück geworfen zu werden. immer wieder feststellen: doch, das bin ich. und wieder in mir anfangen. arbeiten. immer wieder. learning the hard way.

26.03.2013

instacooking: spaghetti mit avocado-pesto.

serviervorschlag.
auf meinem account bei instagram poste ich relativ häufig mein essen. weil ich gerne esse. und koche. und nahrungsmittel nun einmal sehr hübsch aussehen. ich habe deshalb auch schon öfter darüber nachgedacht, mal die rezepte zu den verschiedenen gerichten auf meinem blog zu posten. vor kurzem wurde ich dann sogar darauf angesprochen und das gab mir den letzten anstoß, diese pläne mal in die realität zu beamen. ich wurde darum gebeten, das rezept zu meinen spaghetti mit avocado-pesto zu posten und deshalb wird dies nun auch die instacooking-reihe anführen.

was man für vier bis fünf portionen braucht: spaghetti (oder jede andere nudel) nach eigenem ermessen, anderthalb reife avocado, einen halben strauch basilikum, 75g pinienkerne, 3 (mittlere) knoblauchzehen, 100ml olivenöl, 2 esslöffel zitronensaft, (meer)salz, (frischen) pfeffer. optional: mehr pinienkerne und basilikum für die deko. kirschtomaten.

was zu tun ist: nudeln nach verpackungsanleitung oder gutem gewissen kochen. avocado, abgezupfte basilikumblätter, pinienkerne, knoblauch, olivenöl und zitrone in einen mixer stopfen und mixen lassen, bis es eine einigermaßen cremige maße ergibt. gegebenenfalls noch etwas olivenöl zugeben. ich mag es auch, etwas (zwei, drei esslöffel) vom nudelwasser zum pesto beizugeben. nach geschmack mit salz und pfeffer würzen. fertig gekochte nudeln mit pesto vermengen (ich mach das einfach in dem topf, in dem auch die nudeln gekocht wurden). tomaten in ecken schneiden. pesto-nudeln auf teller verteilen und mit tomaten, übrigen pinienkernen (auch lecker: wenn man sie vorher ein wenig anröstet) und einem basilikumblatt garnieren - fertig. yum!

pro-tipp: großartig ist das pesto übrigens auch als brotaufstrich. habe selbst nicht alles für die nudeln verbraucht und noch zwei tage später sandwiches damit bestrichen und vor freude über die leckerei getanzt. aufbewahren kann man das ganze am besten in einem fest verschließbarem schraubglas oder einer art tupperdose - dann hält es sich auch ein paar tage im kühlschrank. nicht wundern, wenn es an den rändern ein wenig braun wird - avocado tut das leider in verbindung mit sauerstoff. ist aber nur halb so wild und schmeckt trotzdem vorzüglich.

11.03.2013

nackt.

vulnerable. angreifbar. maßlos. offen. emotional. nude. sensibel. ruhig. brutal. schwach. ausgeliefert. sanft. bare. vorsichtig. gierig. frei. intim. nah. raw. erbarmungslos. wirklich. enthüllt. leicht. ohnmächtig. bloß. natürlich. hemmungslos. stark. leise. hilflos. zart. ungezähmt. erregt. sicher.

31.01.2013

#aufschrei

an der sexismus-debatte, die in den letzten tagen deutschland erschüttert hat, wird wohl kaum jemand vorbeigekommen sein. die ganzen "alten medien" haben ein thema aufgenommen, dass sich ursprünglich im internet - genauer: auf twitter - entzündete und das noch immer für ordentlich aufruhr sorgt. @marthadear und @vonhorst riefen einen hashtag in's leben, der offensichtlich einen nerv traf und selbst die initiatorinnen in seiner wirkung vollkommen überwältigte: #aufschrei. in den letzten tagen veröffentlichten zehntausende von twitter-userinnen unter diesem stichwort erlebnisse von sexismus im alltäglichen leben. diese berichte reichen vom "gewöhnlichen" hinterherpfeifen auf der straße bis hin zu tatsächlichen, körperlichen übergriffen. und ich würde einfach mal ganz frech darauf wetten wollen, dass es keine einzige unter meinen leserinnen gibt, die so etwas nicht - in welchem ausmaß auch immer - ebenfalls erlebt hat. ich weiß, mir selbst ist es schon passiert. oft. beinahe täglich. und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr vorkommnisse fallen mir ein.

da sind solche, die als mehr oder weniger "harmlos" wahrgenommen werden. darunter fällt für mich jeder typ, der mir je hinterhergepfiffen, geschnalzt, gerufen hat. jedes mal, dass ich "lach' doch mal! was guckst du denn so grimmig?! dein lächeln ist bestimmt voll schön!" hören musste. jedes aufgezwungene gespräch, obwohl ich offensichtlich kein interesse an einem dialog hatte (kopfhörer im ohr, in ein buch vertieft, wegschauen, blick senken, arme verschränken, "nee du, der platz ist nicht frei", "nee du sorry, wir würden uns gerade gerne einfach untereinander unterhalten"). wobei darunter auch aufdringliche zeitgenossen waren. oder solche, die sehr ungehalten darüber wurden, dass gerade kein interesse meinerseits an ihnen bestand. und ich mich daraufhin beschimpfen, als arrogant bezeichnen oder einfach sehr böse angucken lassen musste. was die unterscheidung in "harmlos" und "potentiell gefährlich" für mich gleich wieder ganz schwierig macht.

ein großer punkt in der debatte um den sexismus gegenüber frauen ist nämlich, dass es problematisch sei, körperliche übergriffe mit den alltäglichen frotzeleien der männerwelt in einen topf zu werfen. mir selbst fällt es allerdings überhaupt nicht schwer, die beiden miteinander in verbindung zu bringen - im gegenteil. mir ist mittlerweile klar geworden, dass jeder alltägliche sexismus, den ich und den meine umwelt einfach so hinnehmen und akzeptieren nur eine "einstiegsdroge" ist. denn trotz der möglichen harmlosigkeit ist jede von einem anderen bewusst hervorgerufene situation, die mir als mensch ein unangenehmes gefühl gibt, eine grenzüberschreitung. und mit jeder grenzüberschreitung, die ich, die wir als gesellschaft akzeptieren, öffnet sich tür und tor für tatsächliche, sexuelle übergriffe. denn jedes mädchen, das mit den gedanken "ach, das meint der nicht so. vielleicht ist es nur ein witz. eigentlich mag der mich ja. der meint es nur gut. ist ja ein kompliment. ich sollte mich nicht so haben." aufwächst, wächst zwangsläufig auch mit gedanken wie "vielleicht hätte ich den kurzen rock nicht anziehen sollen. hm, vielleicht habe ich ja doch ein wenig geflirtet und die falschen signale gesendet." und im allerschlimmsten falle mit dem gedanken "ich hätte mich einfach mehr wehren sollen." auf. hier werden opfer zu tätern gemacht. und das nicht nur gegenüber den eigentlichen übergriffigen, sondern vor allem auch gegenüber sich selbst - und hier liegt die eigentliche krux.

denn: wenn ich einen weiten ausschnitt/kurzen rock/enges kleid trage, dann muss ich halt damit rechnen, dass mich jemand anstarrt. wenn ich angetatscht werde, dann muss ich demjenigen doch nur eine knallen, dann lernt er schon draus. wenn mein chef mich ständig "süße" nennt, dann muss ich ihn halt zurechtweisen oder zum betriebsrat gehen oder suche mir am besten direkt einen anderen job. wenn ich nicht flirten will, dann sollte ich halt nicht in eine bar gehen. wenn ich keine komplimente hören will, dann sollte ich halt einfach nicht so hübsch sein. und wenn ich nicht vergewaltigt werden will, dann nehme ich nachts halt ein taxi oder gehe daher, wo es beleuchtet ist. das klingt für manche vielleicht verrückt - aber das sind aussagen und urteile, mit denen frauen jeden tag konfrontiert werden. einschränkungen, die wir teilweise sogar selbst in kauf nehmen. nur: wo liegen hier die grenzen, wie weit soll das noch führen? und wann hören wir endlich auf, menschen beizubringen, wie man sicher bleiben kann und fangen an beizubringen, nicht übergriffig zu werden? wann genau lernen menschen endlich genug feingefühl, um zu merken, wann zu viel einfach zu viel ist? denn die konsequenzen dieser einschränkungen in meinem leben sind endlos - ich verliere dabei zeit, respekt, selbstwertgefühl, geld, möglichkeiten des ausdrucks meiner individualität, spaß und sogar möglicherweise meinen job. dass man mich arrogant nennt, wenn ich nicht mit jedem dahergelaufenen eine unterhaltung führen will - damit kann ich leben. aber ich möchte schlichtweg kein leben führen, in dem ich mich 24/7 wehren, verstecken und klein machen muss - nur um ein einigermaßen unbeschadetes leben zu führen. denn das schlimmste ist ja: selbst wenn ich mich an all' diese dinge halte - sie garantieren mir nichts.

99% der männlichen bevölkerung wären trotz aller sicherheitsmaßnahmen zu jedem zeitpunkt imstande, mit mir zu machen, was auch immer sie wollten. einfach aus rein biologischen, körperlichen gründen. dass bisher kein mann in meinem leben davon gebrauch gemacht hat, da spielt viel glück mit. und das bewusstsein darüber ist immer da. das risiko. die furcht. und dank erfahrungen wie den oben geschilderten und schlimmeren, wird diese angst auch nicht weniger. im gegenteil. jeder mann, der auf der straße im dunkeln hinter mir läuft, ist für mich zunächst einmal eine bedrohung. ein potentieller übeltäter - so leid es mir oft um die vielen, wahrscheinlich sehr sympathischen, kerle leid tut. aber ich kann nicht mehr zählen, wie viele fake-anrufe ich schon führte. mit dem bodybuilder-freund, den ich vom training abholte - nur um mögliche angreifer abzuschrecken. deshalb bin ich mittlerweile auch jedem mann (im stillen) dankbar dafür, wenn er die straßenseite wechselt, statt weiter im dunkeln hinter mir zu laufen. denn dann habe ich ihn nicht mehr im nacken - kann ihn sehen und bin nicht mehr so ausgeliefert und angreifbar.

und das ist genau das, was sich ändern muss. es muss ein bewusstsein geschaffen werden - dafür, was frauen jeden tag, jeden abend, jede nacht durchmachen. und ein mann, der selbst noch kein solches erlebnis hatte - als potenzielles opfer eines sexuellen übergriffes abends durch die stadt zu laufen - muss natürlich erstmal darüber aufgeklärt werden. entweder durch das eigene umfeld oder aber durch genau die diskussion, die wir eben gerade führen und hoffentlich weiterführen werden. es muss in das bewusstsein jedes menschen, wie ein klima, in welchem sogenannte »herrenwitze« und scheinbar minimale grenzüberschreitungen als normal empfunden werden, diese angst - diese permanente furcht und vorsicht - schürt. als ich mit meinen eltern das thema diskutierte und eben genau das äußerte, war auch mein vater völlig schockiert. er habe noch nie darüber nachgedacht, ob es einer frau unangenehm sein könnte, wenn er auf der straße hinter ihr laufe. viele männer haben und werden eben (hoffentlich) nie die gleichen erfahrungen machen, die so viele frauen ihr ganzes leben mit sich tragen.

wir leben immer noch in einer männerdominierten gesellschaft - die macht ist faktisch nicht auf seiten der frau. aber überall sprechen pärchen, familien, politiker, firmen und medien mittlerweile über genau dieses thema - es wird verbreitet, öffentlich gemacht. und den vielen verständnisvollen, smarten männern wird es dadurch ein bisschen einfacher gemacht, das eigene benehmen zu reflektieren. sich womöglich noch ein wenig respektvoller gegenüber ihren weiblichen mitmenschen zu benehmen. und damit das miteinander zu vereinfachen und vorallem für alle so angenehm wie möglich zu machen. damit traue ich (und der großteil der #aufschrei-bewegung) den männern übrigens um einiges mehr zu als viele ihrer gegner - welche offenbar bezweifeln, dass sich an der gegenwärtigen, gesellschaftlichen lage und vor allem dem mann als individuum und seinen "trieben" jemals etwas ändern könnte. mal ganz abgesehen von den idioten, die sich über die aktion lustig machen und sie in den dreck ziehen - die lernen dann vermutlich tatsächlich nur durch eine ordentliche ohrfeige.