dann eine familienfeier mit menschen, die ich gar nicht kenne. eine seelisch kranke, stinkende oma im schaukelstuhl, über die alle lachen und der man aus dem weg geht. freunde, die vorbei kommen und lieb sind, stundenlang. komplimente, liebkosungen. fühlen, dass das wichtige menschen sind. meine eltern haben videos von mir und meiner schwester vorbereitet, die unseren bisherigen lebensweg zeigen. also doch menschen da, die ich kenne. berührend und verstörend zugleich. ein bisschen unangenehm, dieser stolz von allen seiten. das haus ist voll, überall liegt etwas auf dem boden, man muss immer über etwas steigen, wenn man irgendwo hin will und das will man eigentlich immer. immer bewegung, wie ein tiger im käfig, von einem raum in den nächsten und immer sind da menschen und tiefe blicke, augenkontakt. knistern. atmosphäre. mit manchen mehr, mit manchen weniger. da ist ein hagen, zu dem ich mich immer hingezogen fühle. mit bart und mütze und eigentlich ist das gut, aber der taucht immer einfach auf, liest ein buch (irgendwas mit "die schwester..." - ein langer titel. von mir zerrissener papierumschlag um's buch, ganz bunt mit vielen symbolen und zeichnungen.), schaut mich tief an und verschwindet dann wieder. er weiß, ich weiß, da ist irgendwas. geheimnisse. da sind auch andere, die dinge wissen. eigentlich wissen alle, was heute noch folgen wird. küsse zwei jungs, werde jedes mal von mädchen gestört, schäme mich und verlasse den raum. als wäre hier jeder vergeben und trotzdem frei. wichtige gespräche, die ganze zeit. planungen. und dann irgendwann die absolute eskalation. irgendwer taucht mit einem presslufthammer auf, ich drehe mich erschrocken um und sehe: andere haben schon die fenster zerstört. ich bitte darum, es diesmal - dieses eine, einzige mal - zu lassen, aber das wird nicht gestattet. die blicke der anderen sagen "nein, anika". jeder kriegt mindestens ein messer in die hand, um die komplette einrichtung auf brutalste art und weise zu zerlegen. da geht auch schon mal was daneben, menschen werden verletzt. ich schaue zu, mache mit. ist ja eigentlich auch richtig. teenage-riot. plötzlich weiß man nicht mehr, wer eigentlich freund und wer feind ist. alles scheint gefährlich zu sein, lieber niemandem trauen und sein eigenes ding machen. blut, tränen, erschöpfung und wut, so viel wut. die restlichen menschen fliehen, nach und nach. wollen sich das spektakel nicht mehr ansehen. das haus bröckelt, steht irgendwann nur noch als grundmauern. hab und gut zerstört, geklaut, ausgeraubt. von mir und meinen freunden. zwischendurch sex.
an meine highschool kommen, die notunterkünfte für menschen bereithält, weil die ganze stadt arbeitslos geworden und zerstört ist. jugendliche, die meine freunde sind, treffen. ihnen vor glück in die arme fallen. wissen, dass es vielleicht der letzte gemeinsame tag ist. allen noch mal sagen, wie viel sie bedeuten. "ich hab dich lieb" und "was ist los?!" als antwort. sie haben keine ahnung. "ist egal", mit einem tiefen, allumfassenden wissen. wir haben das doch schon längst einmal hinter uns. "wie siehst du denn überhaupt aus, mit der strickjacke?!" "wie ein penner!". lachen und "ganz und gar nicht wie ein penner!" gesagt bekommen. umarmungen, liebkosungen und die letzte, blonde und sehr dünne freundin mit der lederweste sagt "ich würde am liebsten deinen kopf nach hinten legen, dich hinten über kippen und dich küssen" und ich antworte "dann mach doch!" und mache selber. das krachen von knochen, ein schrei und der blick auf meine verletzte freundin. bereuen, weinen und die blicke der anderen um mich herum.
im traum plötzlich aufwachen. weil man einem lieben menschen aus versehen die rippen brach, beim versuch ihm nahzusein. aufwachen, weil der kopf blutet. stark. aufwachen, nicht wissen, wo man ist. aufrappeln, ein handtuch auf die blutende stelle halten. durch ein fremdes, aber aber amerikanisches 70er jahre haus wandeln, löcher in den wänden. nur langsam gewöhnen sich die augen an die helligkeit, alles wird klarer und die erkenntnis: das ist nicht zuhause. das ist das haus vom anfang meines traums und sie könnten noch hier sein. hier bin ich nicht sicher. vor angst, jemand könnte entgegen kommen und angreifen, wild mit dem handtuch um sich schlagen, schreien und irgendwas treffen. quietschen. todesangst. und dann der gedanke "anika, jetzt reicht's" und sich gewaltsam selbst aus dem traum reißen, um zuhause im bett aufzuwachen. erst ungläubig. darauf wartend, dass sich die augen an die helligkeit gewöhnen und vertrautes zeigen. was sie tun. das wissen: hier bin ich sicher. durch angst verspannt und so verwirrt, wie schon lange nicht mehr beschließen, zumindest einen bruchteil der erinnerung an den traum direkt aufzuschreiben.

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